
Ludwig Forum
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Highlights der Sammlung

Begeistert von der neuen zeitgenössischen Kunst, die die selbstbewusste Aufbruchsstimmung und das unkonventionelle Lebensgefühl der Generation ihrer Zeit spiegelte, begann das Sammlerpaar Peter und Irene Ludwig Ende der 1960er-Jahre leidenschaftlich und im großen Stil junge Kunst aus Europa und Nordamerika zu sammeln. Es war eine Zeit der Superlative: mit Mondlandung, sexueller Befreiung und Selbstverwirklichung schien alles möglich; Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein machten die Welt des Konsums, der Massenmedien und der profanen Statussymbole des ‚American Way of Life‘ zum Gegenstand ihrer Kunst und erfanden damit die Pop Art. Zeitgleich fand auch der Fotorealismus seine Inspiration im Alltagsleben, in spiegelnden Schaufenstern, grellbunten Neonreklamen, Schnellrestaurants oder schrottreifen Autos – nach fotografischen Vorlagen akribisch gemalt von Ralph Goings, Don Eddy oder John Salt, die zu seinen bedeutendsten Vertretern zählen. Frappierend lebensechte Figuren aus Kunststoff schufen die Bildhauer Allen Jones und Duane Hanson, der 1969 mit seinen Bowery Derelicts (Bowery Bums) die Schattenseiten der Konsumwelt anprangerte. Ein nüchtern lakonischer Blick spricht aus Andy Warhols New-York-Fotografien, während Jean-Michel Basquiat in Blue Gyp Stock (1983) auf drastische Weise den allgegenwärtigen Rassismus in den USA beschreibt. Seine unverwechselbare Bildsprache machte ihn zum Vorbild von Graffitikünstler*innen wie Lady Pink und Lee Quiñones, die zu den bedeutendsten Vertreter*innen der Sprayerszene in New York gehören. Mit der Pop Art setzte sich international ein Stil durch, der mit den Markenzeichen von Werbung, Politik und Wirtschaft und der Bildsprache der Comics ein universell verständliches Bildvokabular lieferte. Entsprechend formierten sich bereits ab den 1960er-Jahren eigene Auslegungen in Europa. Die Werke des Italieners Domenico Gnoli, des Franzosen Jacques Monory, des Isländers Erró oder des Deutschen Dietmar Ullrich beweisen dies eindrucksvoll. Eine weitere Spielart der Pop Art, die Soz Art, entwickelte sich in den 1980er-Jahren in der Sowjetunion und den sozialistischen Bruderstaaten. Ihre Bildsprache, die die Erscheinungsformen sozialistischer Staatspropaganda aufgriff, nutzten Künstler*innen wie der Russe Sergej Mironenko, der Chinese Wang Guang Yi oder der Kubaner Tonel, um humorvolle und doch beißende Kritik an ihren Regimen zu äußern.