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Voices We Shall Never Hear. Feministische Naturwissenschaftskritik in der Kunst von Nancy Graves
Vortrag von Dr. Petra Lange-Berndt im Rahmen der Ausstellung „Nancy Graves Project & Special Guests“
Als sich Nancy Graves in den 1960er Jahren dem Kamel als Motiv ihrer Kunst zuwandte, ging es ihr auch um die kritische Reflexion wissenschaftlicher Ordnungen und Hierarchien. Die Filme, die sie in Marokko drehte, zeigen die Gestalt des Kamels auf eine Weise, die sich weder dem vermenschlichenden Blick Hollywoods, noch dem objektivierenden Gestus von wissenschaftlichen Naturdokumentationen bedient. Sie stellen die Relation zwischen Mensch und Tier grundlegend in Frage. Die Arbeit Aves beschäftigt sich mit der eigentümlichen Synchronizität von Vogelflugformationen, die gänzlich unabhängig vom Menschen präzise funktioniert. In ihrem letzten Film von 1974, der Aufnahmen der Mondoberfläche zeigt, thematisiert Graves schließlich die vermittelnde technische Apparatur, die uns solche Ansichten überhaupt erst zugänglich macht.
Petra Lange-Berndt ist Dozentin für Kunstgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts am University College London. 2009 erschien ihr Buch Animal Art. Päparierte Tiere in der Kunst, 1850-2000.