
Centre Charlemagne
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Vortrag: Musik am karolingischen Hof von Dr. Lutz Felbick
Karl der Große wollte seinen Herrscherhof in Aachen zu einem „zweiten Athen“ ausbauen. Diese Anknüpfung an die Antike zeigt sich auch auf dem musikalischen Gebiet, denn ihm und seinem Gelehrtenkreis um Alkuin war diese Bildung ein besonderes Anliegen. Basis dieser Unterweisung war das aus der Antike übernommene Konzept der Freien Künsten, wobei Alkuin explizit auch die musica erwähnt. In den Quellen erscheint er als Zentralfigur dieser Bildungsreform. Der kirchliche Gesang sollte zur Schaffung einer einheitlichen fränkischen Kultur gepflegt und vereinheitlicht werden. Die Erfindung einer speziellen Notenschrift und die Kategorisierung von mehr als 100 Melodien dienten der Realisierung dieses kulturpolitischen Ziels.
Aufgrund neuerer Forschungen, die in Aachen bislang keine Beachtung fanden, kann über die konkrete Musik aus dieser Zeit etwas ausgesagt werden. So sind beispielsweise die sogenannten Kirchentonarten, in denen die gregorianischen Gesänge damals gesungen wurden, erst in jüngerer Zeit bekannt geworden.
Besonders aufschlussreich ist der Zusammenhang zwischen einem inhaltsreichen musikalischen Dokument aus dem Jahre 800 und der sogenannten Musica Albini. Diese musiktheoretische Schrift wird Alkuin bzw. seinem Schülerkreis zugeschrieben.
Karls Nachfolger Ludwig der Fromme konnte im Jahre 826 stolz auf seine eigene Orgel sein. Von diesem zentralen Instrument des Gotteslobes existieren Zeichnungen im zeitgenössischen Utrechter Psalter. Die Klänge einer derartigen Orgel („Hydraulis“) lassen sich aufgrund eines aussagekräftigen antiken Instrumentenfundes inzwischen rekonstruieren.